Nüsslitours

Die Queen aller Tracks

Sie ist zwischen 40 und 50 Jahre alt. Bei dunkelhäutigen Frauen ist das Alter immer etwas schwierig zu schätzen. „Kein Problem, in drei Tagen ist der Hike gut machbar“, sagte sie. An diesen Satz werde ich später mehrmals fluchend zurückdenken.

Immer bevor wir in eine neue Gegend kommen, gehen wir zu allererst in den „I-Site“ – so heissen hier die Touristeninformationen. Da decken wir uns mit Kartenmaterial ein und checken nochmals die neusten Wetterupdates. Hier im Norden der Südinsel ist das Wetter extrem wechselhaft und für Wanderungen schwierig zu planen. Aber für den „Queen Charlotte Track“ schien Petrus, nach unzähligen Wanderungen die wir auf der Nordinsel abblasen mussten, endlich gnädig. „Morgen schlecht, dann super und am dritten Tag bewölkt“, las uns die Dame im I-Site vom Bildschirm ab. Wir gehen!

Der „Tages-Anzeiger“ beschrieb den „Queen Charlotte Track“ als eine der schönsten Wanderungen der Welt. Zu recht!

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Von oben gesehen sieht die Südinsel aus ein Fuss mit zwei Zehen, wovon einer langsam „verfotzelt“. Das Meer schlängelt sich durch die langen Täler bis tief ins Landesinnere. Oder umgekehrt gesehen: Bergketten ragen weit ins Meer hinaus.
In der Fachsprache nennt sich dieses Naturphänomen ein „Sound“. Wir wandern also über die übriggebliebenen zusammenhängenden Bergketten der „Marlborough Sounds“. Übrigens auch ein sehr bekanntes Weingebiet.

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Per Schiff fahren wir ungefähr eine Stunde bis ans Ende des „Queen Charlotte Tracks“. In drei Tagen wird uns der Captain am anderen Ende zur vereinbarten Zeit wieder abholen. Und dann geht das dreitägige Abenteuer los.

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Wir wandern durch dichten Dschungel, treffen auf die typischen kahlen Baumstämme Neuseelands und staunen jedes Mal von Neuem über die Aussicht.

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Wir übernachten direkt am Meer. Meistens komplett alleine.

Man hätte den „Queen Charlotte Track“ auch in vier oder fünf Tagen bewandern können. Aber die Dame im „I-Site“ hat die dreitägige-Tour mit einer solchen selbstverständlichen Lockerheit angepriesen, dass wir gar nicht anders konnten. Drei Tage bedeutet: Jeden Tag acht Stunden wandern – 8h!

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Immerhin wurde uns bei dieser dreitägigen Variante das Gepäck per Boot hinterhergefahren. Wir – also Loris – musste also nur unser Mittagessen und die Wasserflaschen die ganzen 70 Kilometer schleppen.

Am zweiten Tag hatte ich 40 Minuten vor Ende (!) einen totalen Einbruch. Ich fluchte über mich selbst, da ja bereits 7h 20 geschafft waren und ausgerechnet dieser lächerliche Rest mein Körper schwer werden und mein Magen knurren liessen. Reine Kopfsache, die mit Schokolade und Riegel überlistbar ist.

Glücklich und matschig kamen wir am Ziel an. Noch nie hat ein Instant-Kaffee so gut geschmeckt!

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Liebe Queen Charlotte – jederzeit wieder! Aber dann in vier Tagen – zwar mit Gepäck – dafür ohne Stress.